Kosten einer SPS-Migration: Realistische Kalkulation
Realistische Kostenaufstellung für die Migration einer Siemens S5 auf S7-1500. Hardware, Softwarelizenzen, Ingenieurstunden, Inbetriebnahme und versteckte Kosten mit konkreten Preisbereichen für kleine, mittlere und große Anlagen.
Kosten einer SPS-Migration: Realistische Kalkulation
Eine Siemens S5→S7-1500-Migration kostet 5.000–15.000 € für eine kleine Einzelmaschine, 20.000–80.000 € für eine mittlere Produktionslinie und über 100.000 € für große Multi-CPU-Anlagen. Die drei Hauptkostentreiber sind Ingenieurleistungen (50–70 % der Gesamtkosten), Hardware (20–35 %) und Softwarelizenzen (5–15 %). Dieser Leitfaden schlüsselt jede Kostenkomponente auf, damit Sie ein realistisches Budget planen können.
Die drei Kostenblöcke
1. Hardware (20–35 % der Gesamtkosten)
S7-1500-CPU: Die neue CPU ist oft der größte Einzelposten bei der Hardware.
| S7-1500-CPU | Typischer Einsatz | Ungefährer Preis |
|---|---|---|
| CPU 1511-1 PN (150 KB) | Kleine Maschinen, ersetzt S5-90U/95U/100U | ~1.000–1.500 € |
| CPU 1513-1 PN (300 KB) | Mittlere Maschinen, ersetzt S5-115U | ~2.000–3.000 € |
| CPU 1515-2 PN (500 KB) | Große Maschinen, ersetzt S5-135U | ~3.500–5.000 € |
| CPU 1516-3 PN/DP (1 MB) | Komplexe Anlagen mit PROFIBUS + PROFINET | ~5.000–7.000 € |
| CPU 1517-3 PN (2 MB) | Hochleistung, ersetzt S5-155U | ~8.000–12.000 € |
E/A-Baugruppen: Abhängig vom E/A-Umfang. Digitale E/A-Baugruppen (16/32 Kanäle) kosten 100–400 € pro Stück. Analoge Baugruppen 300–800 €. Eine typische kleine Maschine mit 32 DE, 16 DA, 4 AE, 2 AA braucht ca. 1.000–2.000 € an E/A-Baugruppen.
E/A-Adaptermodule: Bei Weiterverwendung der bestehenden S5-Baugruppenträger kosten IM-Adaptermodule 500–1.500 € pro Baugruppenträger. Das spart erhebliche Verdrahtungszeit.
Typische Hardwarekosten nach Anlagengröße:
| Anlagengröße | E/A-Punkte | Hardwarekosten |
|---|---|---|
| Klein (Einzelmaschine) | 30–80 | 2.500–5.000 € |
| Mittel (Produktionslinie) | 80–300 | 5.000–15.000 € |
| Groß (Multi-CPU-Anlage) | 300–1.000+ | 15.000–50.000 €+ |
2. Softwarelizenzen (5–15 % der Gesamtkosten)
TIA Portal STEP 7 Professional: Erforderlich für die S7-1500-Programmierung. Eine neue Lizenz kostet ca. 3.000–5.000 € (einmalig). Falls Sie TIA Portal bereits für andere Projekte haben, entfallen diese Kosten.
TIA Portal Optionen: Safety (F-Module), WinCC (HMI), SCL, GRAPH — jede Option kostet 500–2.000 € zusätzlich.
Bei mehreren Migrationen amortisiert sich die Softwarelizenz über alle Projekte.
3. Ingenieurleistungen (50–70 % der Gesamtkosten)
Die Ingenieurleistungen sind fast immer der größte Kostenblock.
Stundensätze (2026, DACH-Raum):
| Rolle | Stundensatz |
|---|---|
| Siemens Solution Partner / Systemhaus | 100–180 €/h |
| Freiberuflicher SPS-Programmierer | 80–150 €/h |
| Eigener Automatisierungstechniker | 50–80 €/h (Vollkosten) |
Ingenieurstunden nach Anlagengröße:
| Anlagengröße | Analyse | Konvertierung | Test | Inbetriebnahme | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Klein | 8–16 h | 16–40 h | 8–16 h | 8–16 h | 40–88 h |
| Mittel | 16–40 h | 40–120 h | 16–40 h | 16–40 h | 88–240 h |
| Groß | 40–80 h | 120–400 h | 40–80 h | 40–120 h | 240–680 h |
Was die Ingenieurstunden in die Höhe treibt:
- Keine Dokumentation vorhanden (+30–50 % für Reverse Engineering)
- Komplexe indirekte Adressierung (DO, LIR, TIR)
- Viele verschiedene Timer-Typen und Datenbaustein-Konfigurationen
- HMI/SCADA-Migration zusätzlich zur SPS
- Sicherheitsrelevante Funktionen (SIL/PL-Anforderungen, Revalidierung)
Gesamtkosten-Übersicht
| Anlagengröße | Hardware | Software | Engineering | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Klein (Einzelmaschine, 30–80 E/A) | 2.500–5.000 € | 0–5.000 € | 3.200–13.200 € | 5.000–15.000 € |
| Mittel (Produktionslinie, 80–300 E/A) | 5.000–15.000 € | 0–5.000 € | 7.000–36.000 € | 20.000–80.000 € |
| Groß (Multi-CPU, 300–1.000+ E/A) | 15.000–50.000 € | 3.000–10.000 € | 19.000–102.000 € | 100.000–250.000 €+ |
Versteckte Kosten, die Budgets oft übersehen
Produktionsausfall
Die Umschaltung von S5 auf S7 erfordert einen Maschinenstillstand.
Berechnen Sie Ihre Stillstandskosten: Wenn Ihre Produktionslinie 10.000 €/Tag erwirtschaftet und Sie 2 Tage Stillstand benötigen, sind das 20.000 € Opportunitätskosten — oft mehr als die gesamten Hardwarekosten.
HMI/SCADA-Migration
Ein altes Bediengerät (OP7, OP17), das über MPI mit der S5 kommuniziert, kann nicht direkt mit einer S7-1500 über PROFINET sprechen. Budget: 2.000–10.000 €.
Schaltschrank-Umbau
Die S7-1500 hat andere physische Abmessungen als S5. Hutschienenmontage, Kabelführung und PROFINET-Verkabelung statt MPI. Budget: 1.000–5.000 €.
Dokumentation und Schulung
Nach der Migration müssen E/A-Listen, Stromlaufpläne und Bedienungsanleitungen aktualisiert werden. TIA-Portal-Schulung für Instandhalter: 2.000–5.000 € pro Person (typisch 5 Tage Siemens-Kurs).
Wie Sie Migrationskosten senken
1. PLCcheck Pro für die Erstanalyse nutzen. Automatische Code-Analyse identifiziert alle Timer, Adressen, Datenbausteine und Sonderfunktionen in Minuten statt Stunden. Das reduziert die Analysephase um 50–70 %.
2. E/A-Verdrahtung mit Adaptermodulen weiterverwenden. Das eliminiert die zeitaufwändigste Elektroarbeit.
3. Während geplanter Wartungsfenster migrieren. Jede ungeplante Stillstandsstunde kostet mehr als eine geplante.
4. Eigene Techniker einsetzen falls vorhanden. Bei 50–80 €/h Vollkosten gegenüber 100–180 €/h für externe Integratoren sparen Sie 30–50 % beim größten Kostenblock. PLCcheck Pro macht das auch ohne tiefe S5-Kenntnisse möglich.
5. Mehrere Migrationen bündeln. TIA-Portal-Lizenz, Schulung und Lernkurve sind einmalige Kosten.
Kostenlose Migrationsbewertung mit PLCcheck Pro →
Häufig gestellte Fragen
Ist es günstiger, S5 weiter zu reparieren statt zu migrieren?
Kurzfristig ja: Ein aufgearbeitetes CPU-Modul für 800 € ist billiger als eine 15.000 €-Migration. Aber aufgearbeitete Teile haben begrenzte Garantie und steigende Preise. Ein einziger ungeplanter Ausfall mit 50.000 €+ Stillstandskosten übersteigt die gesamten Migrationskosten. Amortisation: typisch 2–3 Jahre.
Kann ich intern migrieren oder brauche ich einen Integrator?
Intern ist bei kleinen bis mittleren Anlagen machbar, wenn SPS-Programmiererfahrung und TIA-Portal-Kenntnisse vorhanden sind. PLCcheck Pro überbrückt die S5-Wissenslücke. Für sicherheitskritische Anlagen wird ein Siemens Solution Partner empfohlen.
Muss ich den ganzen Schaltschrank austauschen?
Normalerweise nicht. Die S7-1500 passt oft in den bestehenden Schrank mit angepassten Hutschienen. E/A-Adapter erhalten die Feldverdrahtung. Komplettaustausch nur bei schlechtem Schrankzustand.
Was ist der ROI einer SPS-Migration?
Die meisten Unternehmen amortisieren die Kosten innerhalb von 2–4 Jahren allein durch vermiedene ungeplante Stillstände. Zusätzlicher ROI durch schnellere Fehlersuche, Erweiterungsmöglichkeiten und Compliance.
Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG. Preise sind Richtwerte basierend auf Marktdaten 2025/2026. Tatsächliche Kosten variieren nach Region und Projektumfang.
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