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Undokumentierte SPS-Anlage übernehmen: Erste Schritte

Praxisleitfaden für Techniker, die ein unbekanntes SPS-System übernehmen. Die Erste-Woche-Checkliste: Hardware-Bestandsaufnahme, Programmsicherung, Risikobewertung, Ersatzteile und Wissensaufbau von Null.

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Undokumentierte SPS-Anlage übernehmen: Erste Schritte

Wenn Sie ein undokumentiertes SPS-System übernehmen, ist Ihre erste Priorität das Überleben: Programm sichern, kritische Ersatzteile identifizieren und das System so weit verstehen, dass es weiterläuft. Dokumentation kommt danach. Dieser Leitfaden beschreibt die Erste-Woche-Checkliste für jeden Instandhalter, der ein unbekanntes System übernimmt.

Diese Situation ist im Industriealltag extrem häufig. Der vorherige Techniker ist in Rente gegangen. Der Integrator, der die Anlage gebaut hat, existiert nicht mehr. Das Unternehmen wurde übernommen und niemand hat das Wissen weitergegeben. Sie sind jetzt verantwortlich für eine Maschine oder Anlage mit einer SPS, die Sie nie gesehen haben, einem Programm, das niemand versteht, und Unterlagen, die entweder nie existiert haben oder seit Jahren verschollen sind.

Tag 1: Nichts anfassen — Beobachten und Aufnehmen

Regel Nummer eins: Wenn die Anlage läuft, keine Änderungen vornehmen. Nicht am Programm, nicht an der Verdrahtung, nicht an den Parametern. Eine laufende Anlage ist unendlich wertvoller als eine stehende.

Gehen Sie durch die Anlage. Fotografieren Sie alles:

Was Sie an der SPS-Hardware aufnehmen:

ElementWas aufnehmenWarum
CPUModell (z.B. CPU 315-2DP), Bestellnummer, FirmwareSoftware-Zuordnung, Ersatzteil-Bestellung
E/A-BaugruppenModultyp, Bestellnummer, SteckplatzHardware-Konfiguration und Ersatzteile
KommunikationMPI-Adresse, PROFIBUS-Adresse, IP-AdresseLaptop-Verbindung herstellen
NetzteilModell, SpannungErsatzteil-Identifikation
SpeicherkarteTyp (MMC, MC), GrößeEnthält das Programm — kritisches Ersatzteil
BatterieVorhanden? LED-Status?S7-300 CPUs brauchen Batterien für remanente Daten

Tag 2: Programm sichern

Dies ist die allerwichtigste Maßnahme. Wenn die SPS morgen ausfällt und Sie kein Backup haben, steht die Maschine möglicherweise wochenlang.

Für Siemens S7-300/400 (STEP 7 Classic):

  1. Verbinden über MPI-Adapter, PROFIBUS oder Ethernet
  2. Im SIMATIC Manager: Zielsystem → Laden in PG
  3. Projekt speichern, dann Datei → Archivieren
  4. Auf USB-Stick UND Netzlaufwerk kopieren

Für Siemens S7-1200/1500 (TIA Portal):

  1. Verbinden über Ethernet (PROFINET)
  2. Im TIA Portal: Online → Gerät als neue Station laden
  3. Projekt → Archivieren
  4. An mehrere Orte kopieren

Für Siemens S5:

  1. Sie brauchen STEP 5 oder S5 for Windows (S5W) mit PG-Kabel (AS511-Protokoll)
  2. Falls keine Software vorhanden: Das Programm kann auf einem EPROM-Modul in der CPU sein. Entnehmen und sicher aufbewahren — das IST Ihr Backup
  3. Falls Verbindung möglich: Alle Bausteine hochladen, als .S5D-Datei speichern

Wichtig: Backup verifizieren. Nach dem Hochladen den Online-/Offline-Vergleich durchführen. Stimmen beide überein, ist das Backup gültig.

Backups an mindestens drei Orten aufbewahren: USB-Stick im Schaltschrank, Netzlaufwerk, Ihr Laptop. Jedes beschriften mit: Maschinenname, Datum, SPS-Typ, "VERIFIZIERT".

Tag 3: Risiken bewerten

Priorisieren Sie, was ausfallen könnte und welche Auswirkungen das hätte:

Hardware-Risikobewertung:

RisikoPrüfenMaßnahme
CPU-AusfallWie alt? Noch lieferbar?Ersatz beschaffen falls möglich
Netzteil-AusfallErsatz vorhanden?Bestand prüfen, ggf. bestellen
Speicherkarte / EPROMGibt es eine programmierte Reserve?Aus Backup erstellen
Batterie (S7-300)LED zeigt Batterie schwach?Vorsorglich tauschen, Reserve halten
KommunikationsmodulSingle Point of Failure?Identifizieren und bevorraten
E/A-BaugruppeReserve vorhanden?Kritischste Module identifizieren und bevorraten
ProgrammierkabelHaben Sie eines, das zu dieser CPU passt?Beschaffen — ohne Verbindung keine Wartung möglich

Software-Risikobewertung:

Wissens-Risikobewertung:

Tag 4–5: Systemarchitektur verstehen

Bauen Sie ein mentales Bild auf, wie das System funktioniert:

Systemübersicht erstellen:

Programmstruktur identifizieren:

Mit den Bedienern sprechen:

Bediener haben oft tiefes Prozesswissen, auch wenn sie nichts über SPS-Programmierung wissen. Ihre Informationen sind unverzichtbar.

Woche 2+: Dokumentation aufbauen

Wenn die Sofortmaßnahmen erledigt sind, beginnen Sie mit der systematischen Dokumentation:

  1. Symboltabelle / Variablentabelle erstellen
  2. Alle E/A mit physischen Positionen und Verdrahtung dokumentieren
  3. Netzwerk-Kommentare ins Programm einfügen
  4. Ersatzteilliste mit Bestellnummern erstellen
  5. Bekannte Probleme und Workarounds dokumentieren
  6. Änderungsprotokoll für zukünftige Modifikationen einrichten

Das Ersatzteil-Notfallpaket

Jeder SPS-Schaltschrank sollte diese Artikel in Reichweite haben:

Was PLCcheck Pro für Sie tun kann

Wenn Sie ein undokumentiertes System übernehmen, ist der schnellste Weg zum Verständnis des Programms eine KI-Analyse:

Jetzt Code hochladen →

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Allererste, das ich tun sollte?

Programm sichern. Vor allem anderen — vor dem Dokumentieren, vor dem Verfolgen der Verdrahtung — erstellen Sie ein verifiziertes Backup und lagern es an mindestens drei Orten.

Was wenn ich die Programmiersoftware nicht habe?

Für Siemens S7-300/400: STEP 7 V5.x. S7-1200/1500: TIA Portal. S5: STEP 5 oder S5W. Kontaktieren Sie Ihren Siemens-Händler wenn die Lizenz fehlt.

Was wenn das SPS-Programm passwortgeschützt ist?

Know-how-geschützte Bausteine können trotzdem gesichert und heruntergeladen werden. Kontaktieren Sie den Maschinenhersteller für das Passwort.

Soll ich das alte SPS-System sofort aufrüsten?

Nein. Erst stabilisieren: sichern, dokumentieren, Ersatzteile beschaffen. Migration erst wenn das System unwartbar wird. Siehe unseren S5→S7-Migrationsleitfaden.


Gepflegt von PLCcheck.ai. Letztes Update: März 2026. Keine Verbindung zu Siemens AG.

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